Fast schon Alltag…
…aber nur fast. Zumindest ist es für uns jetzt nicht mehr aussergewöhnlich, dass wir tagsüber von unseren Kollegen ziemlich stark eingedeckt werden mit Anfragen, Wünschen und auch so manch 'kleinem' Verständnis- oder Akzeptanz-Problem. Es ist aber auch gar nicht so einfach für die koreanischen Mitarbeiter. Neue, ungewohnte Prozesse, die in einem komplett unbekannten Software-System in einer fremden Sprache und Schrift abgebildet werden müssen. Das Ganze wird dann eben meist von der Generation Ü50 ausgeführt, die sich teils sowohl mit Computertechnik als auch mit Lernen und Flexibilität schon a bisserl schwerer tun.
Hier in Korea entwickelt man sich im Unternehmen noch eindeutig über die Jahre der Firmenzugehörigkeit und über das Alter. Da kann ein junger Bursche wie der T-Y noch so gut englisch sprechen, clever die Prozesse verstehen und modern mit den Systemen 'spielen'. Da geht Alter und 'Erfahrung' immer noch ganz klar vor …'hasejo' die oft zu hörende Formulierung bedeutet eben 'Respekt zeigen' 'Ehrerbietung' und 'Achtung'.
...und das bezieht sich i.d.R. auf ältere Menschen, ranghöhere Kollegen.
Ich formulier es mal so: Gerade in meinem Verantwortungsbereich sitzen halt die besonders erfahrenen und grauen Eminenzen. Also diejenigen Herren, welche bestimmt in kurzer Zeit als nächste so eine hübsche Verabschiedungsfeier als 'Früh'-Rentner bekommen werden.
Wobei 'grau Eminenz' hier in Korea nicht passt. Hier sind die allermeisten Herren mit kohlrabenschwarzen Haaren unterwegs, auch wenn er schon auf die 100 zugeht. 'Graue' bzw. weiße Haare stehen für schwach, alt und impotent (genau dasselbe wie bei den ChiNasen). Somit kauft sich hier jeder Mann sein 'natürliche' Haarfarbe immer wieder mal in der kleinen Tube nach.
Zum 'Fast-Alltag' gehört natürlich auch, dass wir wieder mal lange im Büro waren. Als wir mit dem techn. Leiter S-M dann endlich in die Stadt zum Nudel-Restaurant fuhren, war es erstens dunkel (schlecht für Foto's des Fahranfänger-Übungsgeländes) und außerdem kamen wir in den absoluten Feierabend-Verkehr. Da dauert die Strecke ins Stadtzentrum rein statt 15-20 Min. schon gleich mal 45 Minuten. Dabei war ich doch schon so hungrig.
Mit der Rushhour verbunden sind die Parkplatzproblem. Da hat S-M halt mal in einer rustikalen Autowerkstatt nachgefragt und kurzerhand auf deren Gelände geparkt. Die Nudelsuppe und die Dumpings waren genauso lecker wie bei meinem ersten Besuch im Dezember nach dem Indoor-Golfen. Nur noch schärfer und noch heißer, oder kam es uns nur so vor, denn im Restaurant war's einfach nur sehr kalt.
Da heißt es Jacke angezogen lassen, kräftig pusten und etwas warten, bis sich die Suppe der Raumtemperatur angenähert hat.
Georg bestätigt auf dem Foto, dass er inzwischen 'fortgeschrittener Chopstick - Benutzer' ist. Wogegen S-M die bequeme koreanische Variante demonstriert!
...und bei mir kann man klar - quatsch, dampfend / unklar - den Temperatur-Unterschied Suppe zu Raum erkennen.
Und wie man auf dem unteren Foto sieht hat der Georg einen Weg gefunden, trotz seiner 'alter-Mann-Unflexibilität' einigermaßen 'bequem' im Schneidersitz seitlich neben dem Tisch zu hocken ;-)
Alltag bedeutet auch All'abend' und so ging es auch heute wieder zum Shoppen - Georg hat endlich sein "spicy Red Pepper" Gewürz gefunden und ich eine Dose CocaCola für meinen Sammler. Und ebenso wie jeden Abend gingen wir noch auf einen Absacket in eine Kneipe, an diesem letzten Abend (für Schorsch) sogar in zwei verschiedene Bars.
Zuerst in die 'Eisbier-Bar', wo Mann im wahrsten Sinne des Wortes direkt an der Quelle seiner Freuden sitzen kann - wie ihr auf den beiden Fotos sehr schön erkennen könnt. Allerdings stecken in dem Eiswürfel-Becken ausschliesslich sündhaft teure Import-Biere.
Da wir lieber einheimisches Bier trinken, geht die Bestellung hier ausnahmsweise mit direktem Zuruf, denn an dem Bier-Trog gibt es keinen Putzer. Einheimisches Bier ist bei den Koreandern auch so ein Leicht-Bier wie in Chinesin. Wenig Drehzahl, aber viel + schnelle Durchlauf-Erhitzung.
Damit wir auch mal westlich orientierte Musik zu hören bekamen, sind wir nach einem 'CASS' - Bier gleich weiter in die Music-Bar 'KOB' weiter gezogen. Da bekommt man endlich mal was auf die Ohren, dass man auch zuordnen & im Rhythmus mitgehen kann. Eine schöne Bar und ein paar nette Mädels haben sie nebenbei bemerkt auch noch.
....und der grün-blaue Weihnachtsbaum steht auch noch rum (siehe Fotos ganz unten...hinterm Schorsch).
Tja, ich hab's mir dann nicht nehmen lassen und gegen den absoluten Anfänger Georg noch ein paar Watschn beim Dart-spielen kassiert. Er gibt's ja selber zu, dass er die Pfeile einfach nur nach vorne schmettert, aber der Dusselbruder trifft dabei noch dauernd Bull und Triple 20, 19, 18 ...zum Verzweifeln!
S-Bull, Triple 10 und 16 = 96 Punkte ... grrrr!
Das waren aber die letzten matches, denn Georg fliegt bereits heute wieder nach Hause. Einerseits bin ich ja fast froh, dass der Dussel ein Ende hat,
aber andererseits wär ich schon lieber morgen mit ihm zusammen anstatt alleine heimgeflogen.
Naja, so hab ich halt einen Abend für mich, den werd ich gemütlich in einem neuen Café 'Paris Baguette' verbringen und in einem schlechten Buch schmökern ('The Secret'). Und ich könnte den letzten Artikel aus Korea zum Thema 'Sportlicher Ausgleich' (und evtl. doch noch 'Fahrschule'?) vorbereiten.
Also, dann macht's es alle gut - bis morgen!