Koreaner müsste man sein!
Warum? Na, ganz einfach die Burschen dürfen bereits mit 55 in Rente gehen!
Also, sozusagen 'alte, griechische Verhältnisse'
Obendrauf zählen die Koreaner ihr Alter auch noch anders als wir Europäer. In Korea ist man (und frau) am Tag der Geburt bereits 1 Jahr alt und feiert am zweiten Geburtstag folgerichtig das 2.Lebensjahr. Das heißt also, die werden bereit mit 54 (westlichen) Jahren in Rente geschickt.
Naja, ganz soooo rosig ist das wohl offenbar auch wieder nicht. '...in Rente geschickt...' ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Denn das offizielle Rentenalter zum Erlangen der vollen staatlichen Rente ist auch hier 65 Jahre. Ab 55 Jahren ist es halt gesetzlich möglich in Rente zu gehen. Und da die koreanischen Arbeitgeber genauso wie westliche Arbeitgeber nix von alten, gebrechlichen Mitarbeitern halten (haben die schon mal von sowas wie 'Erfahrung', 'knowhow' gehört?) werden die Mitarbeiter rechtzeitig mit Erreichen des Renteneinstiegsalters höflichst aufgefordert, doch bitte schön den Arbeitsplatz zu räumen. Alles ganz taktvoll, ihr wisst ja - Gesicht wahren ist hier alles. Wer nicht freiwillig geht, bekommt dann halt den 'besten' Arbeitsplatz zugewiesen, irgendwann geht er dann freiwillig.
Tja, und dann haben die halt genauso ein Problem mit der Rentenhöhe wie hier bei uns. Okay, die machen das schon lange so und viele haben sich eine private Pensionssicherung zugelegt. Nichtsdestotrotz sieht man immer wieder viele ältere Menschen bei den unbeliebten Nebenjobs wie Nachtwächter, Wachmann an der Pforte oder an einem freien Parkplatz und was man halt noch so alles mit einem solchen Wutzerl anfangen kann.
Erst hat sich der gute Schorsch, mein noch verbliebener einziger Kollege, recht gefreut das er hier bereits seit 1 Jahr in Rente wäre, aber ob das bei den Rahmenbedingungen immer noch so ausguckt, bezweifle ich mal ganz heftig.
Apropos Parkplatz: Da sind die Koreander auch ganz lustig drauf. Die sind nicht richtig eingezäunt, aber doch meist nur über eine Zufahrt erreichbar. Da ist es dann üblich in einem 'Wachhäuschen' bei einem solchen 'Zwangs-Verrenteten' Koreaner seinen Autschlüssel abzugeben. Warum? Na, die Parkplätze werden 2- oder 3-reihig belegt und wenn der Hinterste (eingesperrte) raus will, dann werden alle im Weg stehenden Auto's umrangiert. Durchgeführt, kontrolliert oder Überwacht wird es - von wem wohl - den Frührentnern. Beim Wegfahren holt man/frau sich einfach seinen Schlüssel, bezahlt und wartet auf das Ausrangieren der anderen versperrenden Fahrzeuge. Wir hatten übrigens das Vergnügen im Kleinstwagen von J-W ins Hotel zurückgebracht zu werden. Und sogar dieses Mini-Auto hat ein Automatik-Getriebe. Hier schaltet wirklich kein einziger Autofahrer mehr manuell.
Auf jeden Fall waren wir gestern Abend beim Dinner mit Verabschiedung eines beliebten Mitarbeiters (Schweißer) eingeladen. Es gab offizielle Dokumente, Urkunden sowie Geschenke von allen Gruppen für ihn und wir genossen ein leckeres Rinder-Barbecue mit allen möglichen Variationen an Gemüsen. Und zum Abschluss obendrauf eine leckere Nudelsuppe mit laaaaangen Spaghetti. Die stelle eine echte Herausforderung dar.Hat schon mal jemand von euch versucht, glitschige Nudeln mit Stäbchen zu 'löffeln', noch dazu mit glatten Metall-Chopsticks?! Viel Spass beim Nachmachen!
Obwohl das ganze Dinner einen sehr offiziellen firmenmäßigen Eindruck machte, war dem gar nicht so. Ich war ganz überrascht zu erfahren, dass der ganze Abend von den Geldprämien zweier Arbeitsgruppen finanziert wurde! Und der Spass kostete für die ca. 35 bis 40 anwesenden Kollegen sage und schreibe 2 Millionen Won. Okay, dass sind in Euro ca. 1400 davon, aber das wäre sogar noch teurer gegangen, denn es ist in Korea erlaubt und üblich sich das Fleisch (was das teuerste am Essen ist) selber mitzubringen. Alter Schwede, da staunste! Es war halt eine kombinierte Gruppenfeier mit integriertem "...Mach's gut, 'Alter' Freund..."
Mit diesem Wissen hat es mich auch nicht mehr gewundert, das mich der Werkleiter K-H als Pausen-Clown (quatsch Alleinunterhaltender Magier) 'engagiert' hatte.Versteh ich gar nicht wie er da ausgerechnet auf mich schüchtern, zurückhaltendes Männlein gekommen ist
. Ich durfte also vor versammelter Mannschaft alle meine Kunststücke vorführen. Hui-Maschine, Gummi-Angel, Teufelsschlinge, Münz-schluckender Schlüsselanhänger und Trickbox stießen auf große, neugierige Augen und wurden mir zum Selber-Ausprobieren ganz schnell aus den Händen genommen. innerhalb kürzester Zeit war der ganze Raum erfüllt von Gemurmel, Tipps, Ratschlägen und Gelächter.
Nachdem sich der Tumult dann wieder gelegt hat wurde ich nach und nach von verschiedenen Mitarbeitern gebeten, ob sie sich ein Stück mit nach Hause nehmen dürften um es ihren Kindern und/oder Frauen vorzustellen. Ich hab echt nicht gedacht das diese Spässe so gut ankommen und war von den Anliegen überrascht. Aber nein sagen geht da natürlich gar nicht ...ich bin aber mal gespannt wieviele von den Dingern ich am Montag im Office wiedersehe!
Insgesamt war es ein sehr schöner Abend mit viel Spass und beim Absacker-Bierchen haben wir uns noch immer darüber amüsiert. Dabei wirkten wir wohl so lustig, dass uns eine junge Runde sogar noch ein Stück von deren Geburtstagsfeier-Torte an den Tisch brachten.
Alle Foto's dieses Abends findet ihr im Bereich 'Alben', dort wird es spätestens Sonntag Abend auch das Album vom Wochenende mit Ausflug, Wal-Museum, Fischmarkt und Shopping geben. Ach ja, bei den anderen drei Artikeln hab ich auch noch ein paar Bilder ergänzt, also guckt doch einfach noch mal rein.
Gute Nacht, bis morgen.

