Eine Reise, die ist schön! ...aktualisiert
Stimmt schon Reisen macht Spaß, also mir zumindest.
Trotzdem ist es schon überraschend, das man innerhalb Europas 12 Stunden brauchen kann um von der Mitte in den Norden ( noch nicht mal ganz nach Norden) zu gelangen. Und das trotz Flug!
Morgens wurde ich vom Kurier um halb acht abgeholt (verspätet ...grrr), obwohl der Flug nach Kopenhagen doch erst um halb 11 losgeht. Aber bei dem Verkehr und Nebel auf der Strecke zum Flughafen ist das ganz gut so. Außerdem gehört Norwegen ja nicht zur EU, also muss man schon mal 2 Std vorher einchecken.
Der Flug nach Kopenhagen dauert gut 1,5 Std bei bestem Wetter (naja zumindest über den Wolken). Die dänische Hauptstadt liegt ja auf einer großen Insel in Sichtweite der schwedischen Küste. Beim Landeanflug ist diese riesige berühmte Bogenbrücke zw. Dänemark und Schweden wunderbar zu beobachten, inkl. dem Tunnel wo die Straße ins Meer abtaucht. Schaut schon skurril aus "Meer frisst Autos!". Leider saß ich auf der falschen Seite und hatte nur eine guten Blick auf eine Perlenkette aus Windrädern.
Lustig war das Umsteigen in den Flieger nach Trondheim. Zuhause dachte ich noch "naja, 50 Min. von Landung bis Start inkl Aussteigen, Rumlaufen/-suchen, Einchecken und Gate suchen? Das wird knapp!". In der Realität ging's beim Gate B4 rein ins Terminal und 50m weiter rechts beim Gate B6 wieder rein in die nächste (Mini-) Maschine.
Der Flug dauerte dann wieder 1,5 Std, obwohl die Strecke deutlich kürzer war. Aber wie geschrieben: "Mini- Maschine". Es war auch deutlich enger und ungemütlicher, weil sie proppenvoll besetzt war - Mini-Maschine hält. Dafür war der Flug sehr ruhig und führte bei klarem, brauchen Himmel über eine superschöne tief verschneite Landschaft. Als wir die Küste erreichten, waren die Täler und Windungen der Fjord-Landschaft besonders beeindruckend. Dies galt auch für die Landung vom Meer aus, bei der man schon sehr tief übers Wasser gleitet bevor man endlich auf Land und die -Piste kommt. Schnuckeliger kleiner Flughafen hier, vergleichbar mit Salzburg. Raus aus dem Mini-Flieger und zu Fuß übers Vorfeld rein zur Gepäckannahme bzw. Zollkontrolle.
Das ging dann ganz kurz und schnell vonstatten! Der Grund war ganz simpel: Die Hälfte des Gepäcks fehlte ...inkl. meinem :-( Das war einfach nach Oslo geschickt worden, weil kein Platz mehr dafür war! Ach ja, hatte ich schon den Mini-Flieger erwähnt? Was wir fast komplett dabei hatten war die komplette Skiausrüstung der deutschen (Nachwuchs-) Skinationalmannschaft (grrr). Die sind von Trondheim weitergereist nach Are in Schweden zum Weltcup-Rennen am Wochenende. Fesche Mädls, knackige Figuren, aber irre dicke Oberschenkel - und viel zu viele Ski (meiner Meinung nach). Die Kameraleute der ARD waren schlau, die hatten ihre Profi-Kameras im Handgepäck dabei.
Naja, so hatte ich halt 2,5 Std Zeit für's Mietauto organisieren, Geld abheben (ganz grob entspricht 1 Euro ca. 8 norwegischen Kronen) und mal die Preise checken. Soll ja alles recht teuer hier oben sein, was ich wohl später noch zu berichten hab. Hmm, Hunger hab - also ab zum 'Kiosk'. Ein großes Schinken-Käse-Baguette mit großem Becher Kaffee kostet 49 Kr. (also ca. 6 Euro), am Flughafen wohlgemerkt! Geht doch mit den Preisen - bis jetzt zumindest., wobei der Kaffee nur 10 Kr. kostet.
Um halb 6 kam dann endlich mein Gepäck aus Oslo an und ich konnte mit dem VW Golf TDI losdüsen. Naja, wohl eher gemütlich cruisen. Auf den Autobahn-ähnlichen Teilstücken sind 90 kmh erlaubt, ansonsten nur 80, manchmal auch weniger. Und zu-schnell-fahren ist hier oben richtig teuer! Also brauchte ich für die 135 km hierher nach Kyrksaeterra (gesprochen Kchyrxäteröra ...oder so) nochmal gut 2 Std. Und immer wieder Mautstellen mit Videoerfassung und Gebühren, wie bei uns für die LKW-Maut, aber halt für alle Fahrzeuge. Das Ganze wird am Ende beim Abgeben des Wagens mit abgerechnet.
Schnell fahren macht hier oben auch nicht wirklich Spaß, denn die guten Straßen sind recht schnell vorbei. Ab der Hälfte geht's über Landstraßen weiter. Wobei diese Buckelpisten den Namen nicht wirklich verdienen. Also da ist bei uns so manche Straße zw. zwei Dörfern besser ausgebaut. Liegt halt auch viel an der schon fast bergigen Landschaft mit viel Auf und Ab und engen Kurven immer entlang der Kontur der Berge.
Die Dämmerung hat schon um halb sechs eingesetzt. Soll heißen, ab da war der rote Glutball nicht mehr am Horizont zu sehen. Es hat dann aber weit über eine Stunde 15 Min gedauert bis es wirklich dunkel war. Also das war schon beeindruckend, wie wird das dann erst im Sommer? Wird es dann erst nach Mitternacht dunkel ? Denn so richtig Mitternachtssonne haben sie hier noch nicht, dafür liegt es noch nicht weit genug nördlich (aber immerhin oberhalb von Schottland)!
So konnte ich die beeindruckende Fjord´-Landschaft noch eine ganze Zeitlang während der Fahrt geniessen. Unten immer wieder flache, weiße Ebenen von zugefrorenen, verschneiten Seen und oben die karg bewachsenen 'Berg'rücken der zahlreichen Granit-Buckel. Da oben kann sich kein Baum halten, alles kahl alles glatt. Ich hoffe wenn das Wetter wieder schöner wird (heut regnets immer wieder mal) kann ich ein paar schöne Foto's schießen. Denn es hat schon einen besonderen Zauber diese Gebirgslandschaft direkt am Meer und auf Meereshöhe - wunderschön zugeschneit und mit weißem Mantel verhüllt. Nicht so hoch wie unsere bayrischen Alpen, aber doch vom Anschein her wie unsere Voralpen um Ruhpolding, Inzell und Reichenhall. Einfach richtig schee winterlich, auch so kalt. Und wenn man sich umdreht schaut man auf's Meer hinaus ...schon etwas Besonderes.
Genug geschwärmt für den Moment. Als es dann die letzte Stunde auf der Herfahrt dunkel war, waren die Schneewände links und rechts der Straßenpfosten hoch und beeindruckend genug, dass ich gar nimmer auf die Landschaft gucken wollte. Ich kam mir eher vor wie auf der Rennstrecke in Monte Carlo zwischen den Leitplanken.
Und nach den angesprochenen 12 Stunden Reisezeit kam ich dann abends um halb 8 endlich hier am Hotel an. Naja, Hotel ist vielleicht etwas hochgegriffen. Es ist schon etwas in die Jahre gekommen. Die Möbel in der Lobby haben schon etwas gelitten und die Zimmer sind einfach eingerichtet ...sehr einfach. Sehr schmale Betten, ein paar Möbelstücke, ein Mini-Fernseher mit nur drei Programmen (Norwegen 1 und 2 sowie BBC). Das alles auf einem schlichten Linoleum-Boden, aber immerhin die Nasszelle ist komplett gefliest. Sie steht auch 10cm höher weil es da drin eine Fussbodenheizung hat, das restliche Zimmer ist schon sehr kühl (und ich hab Hotelschlappen erwartet und keine Hausschuhe mitgebracht. Genauso reingefallen bin ich beim Duschgel. Immer schleppe ich eines mit mir rum, nur diesmal nicht, und prompt gibt es keines im Bad ...äh bodenebene Dusche mit Kunststoff-Vorhang... 'hurra' ! Also, als Sterne her würde ich maximal 2 vergeben.
Im Hotel gibt es auch kein Restaurant, also es gibt schon eines, aber das öffnet nur zu Hochzeiten, Feiern o.ä. Veranstaltungen. Gestern war zwar eine solche - nämlich der Bridge-Club spielte Karten - aber das reichte wohl nicht aus um den Koch zu holen. Immerhin gibt es in der Lobby ein Tablett mit Waffeln (und Marmelade) für alle, sowie Kaffee und Tee. Dieses haben meine beiden Kollegen und ich dann auch noch gemeinsam als 'Abendessen' genossen. Irgendwann ergab sich dann ein netter Smalltalk auf Deutsch (ist hier 2.Fremdsprache) mit einem norwegischen Rentner, der war wohl beim Bridge 'ausgeschieden'.
Tja, und als krönender Abschluss ringelte dann auf einmal eine Art 'Glocke' monoton & rhythmisch los. Der Norweger stand auf und ging. Wir dachten aha - Bridge-Runde geht weiter. Aber mitnichten ! innerhalb von 2 Minuten war die Lobby voll. Es handelte sich nämlich um einen Feueralarm, keine Übung, sondern einen echten Alarm ! Na super, da schaust aber komisch. Wir wurden dann von unserem norwegischen Rentner informiert und haben halt gemütlich sitzend der Dinge, die da kommen mögen, geharrt. Es kam die Chefin, es kam der Chef und schließlich kam mit TatüTata die Feuerwehr. In voller Montour und mit Atemschutz standen sie dann bei uns in der Lobby und wuselten fleissig herum. Naja, schlussendlich war es dann doch ein Fehlalarm oder ein heimlicher Raucher im Zimmer. Das ist hier so streng wie bei uns, die Raucher gehen vor die Tür.
Insgesamt mal wieder ein langer interessanter Anreisetag. Bin schon mal gespannt was die nächsten Tage bringen.
Stay tuned und bye-bye.