Wochenende in der Stadt
Normal zieht es einen doch am Wochenende auf's Land, oder? Ausflüge, Natur geniessen und so Sachen.
Aber da mir meine Kollegee dringend geraten haben, der ländlichen Einsamkeit zumindest am Wochenende zu enfliehen, hab ich deren Ratschlag brav befolgt.
Und da die Bilder des letzten Artikels offenbar recht gut angekommen sind, fasse ich mich mal kürzer (schwer, SEHR schwer für mich) und kombiniere Reisebericht mit vielen Bildern.
Gestern spätnachmittag ging es direkt vom Werk aus auf der kürzeren Strecke durch die Berge Richtung Trondheim. Das ist dann schon beeindruckend:
Erst unten auf Meereshöhe über schmale Landstraßen am Fjord entlang
ging es dann steil rauf in die Berge und direkt hinterm Pass liegt tief verschneit ein Riesensee!

Ein beeindruckendes Panorama das sich uns da nach einer guten halben Stunde Autofahrt bot.

Von 0m an der Küste auf über 400m im tiefsten Winter-Gebirgsparadies. Das war sehr faszinierend und ungewohnt.
Mein Kollege musste noch am Abend zum Flughafen. Auf dem Weg dahin haben wir mal die fest installierten Blitzer gezählt. Es waren auf ca. 70km vier Automaten ...mindestens, und dann kommt noch die ganze Wegelagerei in Form der Mautstellen dazu. Also, Norwegen ist wirklich ein teures Pflaster.
Dieses stellte ich dann spätabends im Hotel hier in Trondheim noch deutlicher fest. Man kann sich Pizza aufs Zimmer liefern lassen, das kostet dann so ab 25 bis zu 40 Euro - pro Pizza wohlgemerkt! Dafür ist seltsamerweise das Zimmer sogar etwas günstiger als auf dem Land im Dorf 'Röra! Und es sind echt schöne, moderne Zimmer mit Fenster 'nach innen'. Denn zwischen den 3 'Wohn'blöcken sind Glasverkleidete Innenbereiche u.a. der Frühstücks'raum'.

Nachdem letzte Nacht die Klimaanlage in meinem Zimmer verrück gespielt hat, bekam ich heute Morgen ein anderes
Nach einem leckeren und sehr langem Frühstück wollte ich mich auf den Weg zu einer Stadtbesichtigung machen. Dummerweise kam dann eine richtig fiese Regenfront vom Meer daher. Tja, da hab ich das Frühstück halt gleich auf Maximum bis 11 Uhr ausgedehnt :-)
Schließlich ließ der Regen nach (der Wind leider nicht) und ich schnappte mir meinen 'Reiseführer' - eine kostenlose, sehr gute MTrip-App für's iPhone und machte mich auf den Weg zu den paar Sehenswürdigkeiten.
Es gibt auch in dieser großen Stadt (170.000 Einwohner) noch sehr viele Holzhäuser. Auf dem Land sind auch alle Kirchen aus Holz. Deshalb ist diese Kirche ein Foto wert auf dem Weg zum Markplatz mit hoher Säule.

Der Herr da oben auf der Säule ist der Stadtgründer, so ein oller Wikinger-'Häuptling' ...äh -König (oder 'Kong' wie es auf Norwegisch heißt). Und damit ihn nicht friert haben sie im sogar nen Schal umgebunden in 20m Höhe!
Er guckt auf's Meer raus, unter der Säule ist im Pflaster eine Kompassrose abgebildet und der Schatten der Säule wird obendrein für eine riesige Sonnenuhr genutzt - sehr praktisch !
Weil's gar so kalt war hab ich mich dort am Marktplatz beim Amerikaner mit dem großen Bogen-M an einem Kaffee erwärmt und a bisserl die Leute beobachtet. Das Bestellen im Mäci läuft anders ab als bei uns. Sobald man seine
Bestellung abgegeben und bezahlt hat, geht jeder auf die Seite und/oder nach hinten. Wenn's passt wird der nächste Besteller nach vorn gerufen und irgendwann sind alle Sachen auf dem Tablett und man geht wieder vor und holt es sich ab. Da ich alleine war hat mich diese Prozedur meinen Aussichtplatz am Fenster gekostet. Kann mich ja nicht aufteilen und gleichzeitig den Platz freihalten.
Draußen war ein munteres Treiben auf dem Marktplatz. Von Parkplatz-Strafzettel-Verteilern über Zeugen Jehovas bis hin zu fahnenschwingenden, offenbar rechts-orientierten Burschen (die ich lieber nicht fotografierte) haben es da alle möglichen Charaktere in der Kälte ausgehalten. Und wie dünn die teilweise angezogen waren ...brrr, der Norweger an sich ist eindeutig abgehärteter als wir Mittel-europäer!
Frisch aufgewärmt ging es weiter zum Dom. Ein beindruckender Riesenbau im gotischen Stil mit sehr viel Granitplatten, innen drinnen war er sehr dunkel und düster, eher bedrückend. Hm, ich frag mich allerdings wie da dann die Krönungsfeiern wirken, denn er ist auch die Kröungskirche der norwegischen Könige.

Der Park rund um den Dom wurde wohl auch als Friedhof genutzt. Da waren zahlreiche Grabsteine platziert, eher so im offenen Parkähnlichen Stil wie bei den Amerikanern
Durch den Bischofsitz (auch aus dem 12.Jhdt) wanderte ich dann zum Fluss und dem kleinen Park dieser Stadt.

Oben am Hügel auf der anderen Flussseite war das Ziel meines Rundgang zu sehen, die Festung der Stadt.

Dorthin musste ich über die alte Stadtbrücke (könnte bis auf die roten Torbögen auch in Bgh stehen)

Die ehem. Lagerhäuser am Fluss stehen alle auf Stelzen im Wasser. Hm, wie gut und stabil sind die Holzstützen wohl? Wasser, Wetter und Gewicht - über all die Jahre...
Gleich hinter der Brücke und den Lagerhäuser gibt es im ehem. Arbeiterviertel den ersten Fahrrad(Schlepp-)lift der Welt. Der ist allerdings wg. neuer EU-Richtlinien bis Sommer 2012 stillgelegt. Und ganz ehrlich, auch wenn der Hügel dahinter schon a bisserl steil ist, dafür ist er nach 150m schon bewältigt - braucht's dafür 'nen Fahrradlift?
Und noch ein paar Meter weiter oben wacht die Festung Kristiansen über der Stadt.

Und trotz dem schönen Panorama wurde mir klar das ich schleunigst wieder ins Hotel sollte, denn vom Meer rollte eine weiß-graue Wand heran, die so richtig unangenehm kalt, nass und stürmisch wirkte:

Ich war noch nicht mal richtig aus der Festung raus, da waren die Schneeschauer schon da. Na super, und die Wege runter in die Stadt waren schon vorher total vereist, rutschig oder verschlammt.
Naja, als ich pitschnass am Hotel ankam war der ganze Spuk pünktlich vorüber und die Sonne kam raus ...sehr nett.

Tja, ich war ja vorgewarnt. Sowohl vom Wetterbericht für's Wochenende als auch von der Trondheim-Wikipedia-Seite. Denn hier oben hat es an 200 Tagen im Jahr Niederschläge, und bis tief im April einstellige Temperaturen - brrr.
Mal schauen wie morgen der Sonntag wird. Geplant ist nicht viel, aber ich halt mal die Augen offen. Nur jetzt mach ich sie erst mal zu und geh schlafen.
Gute Nacht !
